Mittwoch, 14. Mai 2014

Ein Jahr "Vier Stunden Körper"- meine Erfahrungen

Ostern letzten Jahres hatte ich, wie schon so oft vorher, beschlossen, dass ich endlich endlich mal etwas ändern will, endlich sportlich und schlank werden will, endlich meinen Körper so auf die Reihe kriegen, dass ich mit ihm zufrieden sein kann. Durch Zufall ist mir das Buch Der vier Stunden Körper von Timothy Ferriss in die Finger gekommen, und die Idee klang gut für mich, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob ich das durchhalten würde. Ganz knapp zusammengefasst: Kein Fett, kein Zucker, keine Kohlenhydrate, und das Ganze jeden Tag. Dazu dreimal die Woche ein Muskelaufbautraining, unter anderem mit einer Kettle Bell. Und an einem Tag der Woche "Fresstag" (ich weiß nicht mehr, ob die Bezeichnung so im Buch stand, aber bei mir hat sich der Name eingebürgert), an dem absolut alles erlaubt ist, was man unter der Woche nicht essen darf. Damit sollte man angeblich in einem Monat zehn Kilo abnehmen können.
Letzteres hat bei mir zwar nicht funktioniert, aber das ist mir auch ganz recht so, ich find zehn Kilo in einem Monat doch etwas übertrieben. Zuerst einmal war das Ganze natürlich eine riesige Umstellung, an der nicht nur ich, sondern auch mein gesamtes Umfeld teilhatte- ich musste sehr sehr oft erklären, was ich da mache, um zu vermeiden, dass mir irgendetwas aufgetischt wurde, was ich nicht essen durfte (so bin ich das wöchentliche Essen losgeworden, das die Freundin von Schatzis Vater mir immer mitgekocht hat- als augebildete Köchin wusste sie leider nicht so genau, was Kohlenhydrate sind, und ich konnte immer wieder das Mitgebrachte verweigern- eindeutig eine Steigerung der Lebensqualität für mich^^). Aber auch in vielen Restaurants war es schwierig, überhaupt etwas zu finden, das ich essen darf- man muss noch dazu erwähnen, dass ich kein Fleisch esse, nur Fisch, was natürlich noch einmal eine erhebliche zusätzliche Einschränkung war.
Die ersten Monate hab ich ziemlich gut durchgehalten. Der Fresstag hilft da wirklich. Man verschiebt in Gedanken einfach alles, was man sich unter der Woche verbietet, und braucht dann an diesem einen Tag kein schlechtes Gewissen zu haben (aber einen sehr sehr starken Magen.). Überhaupt fand ich den Fresstag super. Pizza, Torte, Fastfood, Schokolade- und das alles ganz bewusst genossen, weil es etwas besonderes war, auf das man sich schon die ganze Woche gefreut hat. Meist kristallisierte sich schon am Montag raus, was am Samstag als Hauptmahlzeit auf dem Teller landen würde, und dann hab ich dem entgegengefiebert :D.Trotzdem war es besonders dann schwierig, wenn ich mit anderen gegessen habe, zum Beispiel dabeizusitzen, wenn mein Freund sich ne Pizza reinhaut, während ich an meinem Salat knabber, und dann den köstlichen Geruch in die Nase zu bekommen...argh! Man glaubt nicht, was einem plötzlich alles als unwiderstehlich erscheint, nur weil mans nicht darf^^. Sachen, die einen früher total kalt gelassen hätten. Ich hab teilweise an den Fresstagen sogar mal Fleisch gegessen, obwohl ich es nicht mal wirklich mag. Das war schon sehr seltsam.
Der Sport war anfangs eine ziemliche Überwindung, aber mit der Zeit hat sich ein eigens modifiziertes Programm eingestellt, dass ich mindestens dreimal die Woche mache. Ich bin ganz eindeutig fitter geworden, und habe sichtbar mehr Muskeln (was allerdings keine große Kunst ist, wenn man an die Startbedingungen denkt.) Die Kettlebell steht allerdings seit einiger Zeit rum und setzt Staub an, weil ich mir nicht sicher war, ob sie etwas mit meinen Knieproblemen zu tun hat. ich hab aber vor, sie so langsam wieder zu integrieren.
Irgendwann kam dann aber leider die Zeit, an dem ich keine Lust mehr hatte. Es schlichen sich immer mehr Gewohnheiten ein, die nicht sein sollten, weil ich einfach keine Lust mehr hatte- keine Lust mehr, morgens, mittags und abends zu kochen, keine Lust mehr auf diese enormen Einschränkungen- vor allem das Obst hat mir total gefehlt. Süßigkeiten und Brot, Kuchen etc hatte ich wie gesagt am Wochenende, und deshalb war das nicht so schlimm, aber zu Obst bin ich da mit meiner Fixierung auf Ungesundes nicht mehr gekommen. Den letzten Kick ins Aus hat mir Weihnachten versetzt. Das Übliche: Familienfeiern, Besuch bei meinen Eltern (die sich große Mühe gegeben haben, sich an alles zu halten- ich haber nicht mehr.), Spieleabende und Ausgehen mit Freunden.... und dazu die totale Bocklosigkeit, schon wieder Gemüse essen zu müssen :D
Nach Weihnachten wurde es nicht viel besser. Immerhin, der Sport ist geblieben. Und ich mache noch mehr als vorher. Aber jede Woche hab ich versucht, mich nochmal zusammenzureißen, mich wieder strikt dran zu halten, und bin jede Woche wieder in so eine Zwielicht-Zone gerutscht, nur hier eine keline Ausnahme, nur da eine... In der Zeit hab ich auch angefangen, meine Punktelisten zu führen. Pro Tag, an dem ich mich an alles halte, gibt es einen Punkt. Bei 15 Punkten darf ich mir etwas besonderes gönnen, ein neues Shirt, neue Schuhe, einen neuen Becher etc. Manchmal, vor allem, wenn ich zu Hause war, ging das ganz gut. An anderen Tagen garnicht.
Jetzt zu Ostern hab ich beschlossen, das es endgültig reicht. Ich halte mich sowieso nicht mehr wirklich dran, da kann ich es auch gleich ganz lassen. Also bin ich jetzt umgestiegen, und werde von nun an die aus meiner Sicht wesentlich weniger radikale "cleane" Ernährung durchziehen- die liebe Lara ist mir da ein großes Vorbild. Es ist toll, auch wenn ich mich noch eingewöhnen muss- endlich wieder Obst! Die Punkteliste werde ich weiter beibehalten, sie ist zu einem angenehmen Begleiter geworden, das Belohnungssystem macht mir Spaß, und ich weiß die Sachen, die ich mir dadurch erarbeitet habe, viel mehr zu schätzen, als Dinge, die ich mir einfach so kaufe.
Und noch mehr Sport wird es in Zukunft auch geben- mein neuer Job, der seit einigen Tagen läuft, entpuppt sich als super Fitmacher- drei Stunden am Stück Treppen hoch und runter rennen war zum Beispiel gestern das Motto.
Abschließend noch das Fazit, das euch vermutlich am meisten interessieren wird: Bis Dezember hatte ich 11 kg runter, da dann zwei hoch, davon bis Ostern eines wieder runter, zu Ostern wieder zwei hoch, also zusammengerechnet ein Minus von 8 kg. Das entspricht, nicht zuletzt durch den ganzen Sport, zwei Kleidergrößen und ein fettes Plus an Selbstwertgefühl- auch wenn ich gemerkt habe, dass letzteres nicht so sehr am Aussehen hängt, wie ich gedacht habe.