Montag, 24. Februar 2014

Der Besuch der alten Dame, Teil 2.

Was das Stück wirklich geschafft hat, ist, dass ich mir Gedanken mache.
Gedanken über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit.
Gedanken, wie ich reagieren würde, wenn jemand in das Dorf gekommen wäre, in dem ich aufgewachsen bin (und das erschreckende Ähnlichkeit mit Güllen hat, wie das Dorf im Stück heißt) und genau so ein Angebot machen würde: Eine große Summe an Geld für jeden Einzelnen, wenn dafür einer stirbt. Jemand aus dem Dorf, den man seit Jahren kennt. Zu Anfang ist der Schock und die Empörung bei allen groß. Aber wie würde es weitergehen? Wie würde ich selbst handeln? Ich gebe zu, als erstes hab ich im Kopf überschlagen, wie viel Geld das ca wäre für jeden, oder zumindest hab ich es versucht, aber mir fehlte die konkrete Zahl. Aber allein schon diese Frage an sich - sollte die sich nicht moralisch schon verbieten? Ok, in meinem Fall hab ich das Ganze nur in einem Stück gesehen, es ist also nicht echt- aber was wäre, wenn es das wäre?
Ich bin mir sicher, dass ich zumindest nicht diejenige gewesen wäre, die gleich eine Knarre holt und losballert. Aber würde ich die Person schützen? Also, aktiv für sie einstehen, während alle anderen zumindest passiv bleiben?
Und bei dem, was über die Person ans Tageslicht gekommen ist - würde ich das überhaupt wollen?
Der Gedanke, dass der Kerl eigentlich schon eine gerechte Strafe verdient hätte, bei allem, was er angestellt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber ihn gleich dafür umbringen?
Das Traurige ist, dass ich mir den gleichen Ablauf wie in dem Stück bzw der Romanvorlage durchaus in meinem Dorf vorstellen könnte.
Allerdings bin ich irgendwie im meinem Herzen auch Optimist, denn ich glaube oder hoffe doch, dass zumindest einige ganz ganz wenige nicht die Hand heben würden, wenn es darum geht, über das Todesurteil abzustimmen - aber ganz ehrlich, wirklich sicher wäre ich mir da auch nicht.

ich finde es auf jeden Fall spannend, darüber nachzudenken. Und zu dem Schluss zu kommen, dass Geld nicht glücklich macht, aber am Ende doch Entscheidungen fällt. Traurig, aber wahr.