Dienstag, 17. Juni 2014

Sport-Ereignis.

Der Titel mag jetzt pompöser klingen als nötig, aber für mich trifft er es ganz gut. Nein, ich bin heut keinen Marathon gelaufen, hab auch keine Rekorde aufgestellt oder irgendetwas, aber: Ich hatte heute zum ersten Mal in meinem ganzen Leben (zumindest soweit ich mich erinnern kann) dieses positive Energie-Gefühl, von dem alle immer reden, dass sie es nach dem Sport haben.
Ich dachte mir, ich nehm das mal zum Anlass, ein wenig über meine Sport-Geschichte zu schreiben.
Keine Sorge, da gibts wirklich nur wenig zu erzählen.
Bereits im Kindergarten legte ich mir eine ausgewachsene Abneigung gegen Sport zu. Meine Mutter schickte mich, vermutlich mit guten Absichten, in so eine Kinderturngruppe, und da fiel mir schon auf, dass einige sportlich sind, und andere nicht. Ich war eine andere. Und der Lehrer damals mochte natürlich die sportlichen. Von Motivation für Kinder wie mich, die an alles erstmal vorsichtig rangehen wollten, war da nicht die Rede. Ich erinnere mich noch sehr gut an stundenlanges Handstand-üben, bei dem man dann an dem Bein hochgezogen wurde, und entweder so lang festgehalten, bis einem schlecht war, oder losgelassen, so dass man auf die Schnauze fiel.
Und schon damals kam in mir das Gefühl auf, dass es diese Ordnung absolut unumstößlich ist. Die einen sind sportlich, die anderen nicht. Ende.
Das ging auch während meiner gesamten Schulzeit so weiter.
Immerhin fing ich irgendwann an zu Reiten, das machte mir Spaß, das konnte ich, aber irgendwie lief das für mich nicht unter Sport. Denn Sport war scheiße. Zu Sport wurde man gezwungen. Die Abneigung wuchs zu Hass. Und es kam Angst dazu. Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich angeborene Augenprobleme habe, durch die mir räumliches Sehen nicht möglich ist. Das macht nicht nur den Besuch eines 3D-Films zu absoluter Geldverschwendung, sondern auch den Alltag gefährlicher- das mit dem Abstände-einschätzen ist manchmal schon ein kleines Problemchen. Vor allem, wenn es schnell gehen soll- wenn zum Beispiel ein Ball direkt auf meine Nase zufliegt. Beim Fußball wurde ich gern ins Tor gestellt- die Chance, dass ich wie die anderen Mädchen dem Ball rechtzeitig ausweiche war viel geringer als die, dass ich ihn noch erwisch- mit der Nase halt. Oder der Brille. Oder der Stirn. Oder mit den hochgerissenen Händen, mit denen ich den Ball dann zwar nicht festgehalten, aber dafür noch einen extra-Schwung auf dem Weg in mein Gesicht verpasst habe.
Dazu kam, dass ich mich auch im Alltag gern mal verletzt habe, und mich immer mal wieder von diesen Verletzungen erholen musste. Hat bei euch eigentlich mal irgendein Sportlehrer auf ärztliche Attests Rücksicht genommen? Wenigstens einer?? Beim Volleyball Aufschlag üben in der ersten Woche, nachdem man nach dem Armbruch wieder mitmachen darf? Ach, stell dich nicht so an! Ein halbes Jahr lang kein Sport machen können wegen kompliziertem Knöchelbruch inkl mehrfachem Bänderriss? Ja gut, aber jetzt rein ins Schwimmbecken- und schwimm gefälligst schneller- und hör vor allem auf, so zu tun, als würdest du ständig Krämpfe in dem völlig kraftlosen Bein kriegen! Wie, du kriegst jetzt auch noch Kreislaufprobleme? Schwimm gefälligst geradeaus, das kanns ja wohl nicht sein! Und hau vom Beckenrand ab!!
Ähm ja. Ich habs gehasst. Jede Woche wieder.
Besonders der Schwimmlehrerin nehm ich das übel- nicht nur, dass bekanntlich ein Beinkrampf beim Schwimmen allgemein eher ungünstig ist (und es nicht besser wird, wenn man plötzlich nicht mehr weiß, wo der Rand ist, weil sich alles dreht) , bin ich vorher wirklich gern schwimmen gegangen. Ich hab schon sehr früh schwimmen gelernt, und ich konnte es wirklich gut. Nach diesem Kurs hab ich mich drei Jahre nicht ins Wasser getraut- und die Kuh hat mir eine halbe Note mehr gegeben als denen, die garnicht schwimmen konnten und sich nur am Beckenrand entlanggehangelt haben.
Nach Schulende war ich vor allem überglücklich, kein Sport mehr machen zu müssen. Ich fühlte mich regelrecht befreit. Fürs Reiten hatte ich eh schon lange keine Zeit mehr, und jetzt auch noch kein Geld.
Also habe ich eine recht lange Zeit garnichts gemacht. Mit meinem Ex war ich dann mal in einer Therme, und hab festgestellt, wie gern ich eigentlich schwimme. Mit einer Freundin hab ich mich hin und wieder mal zum Joggen verabredet, auch in der Zeit- aber es war mehr ein dahintraben, während man gequatscht hat, ganz oft bin ich auch zu ihr gegangen, um sie abzuholen, und wir sind dann bei einem Kaffee hängen geblieben.
Vor zwei Jahren bin ich dann relativ regelmäßig Schwimmen gegangen, das hat mal mehr, mal weniger Spaß gemacht, meistens kam ich ziemlich aggro wieder raus, weil Schwimmen an sich zwar toll ist, aber immer mindestens ein Vollidiot auch im Becken ist, der einem alles versaut.
Vor einem Jahr hab ich dann die Ernährungsumstellung gemacht inklusive dem striktestem Sportprogramm, das ich je hatte. Ich war immer sehr erstaunt und ein wenig stolz, dass ich es halbwegs durchgezogen habe, aber wirklich Spaß gemacht hats mir nicht. Mal hab ich mich ein wenig drauf gefreut, meist musste ich mich jedoch überwinden, überhaupt anzufangen. Dann hab ich es, sagen wir mal, modifiziert, bis es zu dem Programm geworden ist, was ich immernoch mache. Und das wird weiter gesteigert, ich hab mir fest vorgenommen, jetzt auch endlich wieder mit dem Joggen anzufangen, und in den letzten Wochen hin und wieder auf dem Crosstrainer meines Freundes trainiert.
Tja, und heute, nachdem ich mein Krafttraining+Abs-Challenge+ 45 Minuten Crosstrainer hinter mir hatte, fühlte ich mich zum ersten Mal richtig richtig gut mit dem Sport.