Dienstag, 12. Mai 2015

Rezension: Jaume Cabre: Das Schweigen des Sammlers

Erschienen: 2011
839 Seiten

Inhalt: In dem Roman wird das Leben des Gelehrten Adrià Ardevol erzählt, von seiner Kindheit in einer Familie, die keine Liebe, sondern Erwartungen gibt, über seine Studienzeit in Deutschland und der Zeit seiner Karriere zurück in seiner Heimat Barcelona, bis hin zu seinem Tod. Adrià erlebt als Kind die Sammelleidenschaft seines Vaters und erbt eine wertvolle Geige, als diese seinem Vater das Leben kostet. Die Geige zieht sich als Motiv durch das ganze Buch, der Gelehrte beschreibt ihre Herkunft seit ihrer Entstehung und ihren Weg bis zu seinem Vater und in sein Leben, wo sie eine zentrale Rolle in all seinen Beziehungen zu anderen Menschen einnimmt.

Meine Erfahrung mit dem Buch: Puh. Mir ist gerade das Verfassen der Inhaltsangabe schon ungeheuer schwer gefallen. Was sollte man erwähnen, was ist weniger wichtig, wie soll man so ein vielschichtiges Buch kurz einleiten? Ich bin nicht sicher. Wie man auf dem Bild sieht, hab ich das Buch als Reiselektüre in der Bahn mitgenommen, und festgestellt: dafür eignet es sich nicht. Dies ist kein Buch, bei dem man mal ein paar Seiten lesen kann, es dann wieder weglegt und später wieder einsteigt. Dies ist ein Buch für stundenlange Leseabende, ohne Unterbrechungen. Es ist gut zu lesen, nicht wahnsinnig schwierig, obwohl der Autor die ganze Zeit mit der Sprache spielt. Und es ist wirklich vielschichtig. Die einzelnen Erzählebenen fließen nahtlos ineinander über, oft innerhalb eines Satzes. Dieses Buch erfordert Aufmerksamkeit. Kleinigkeiten wiederholen sich und ziehen sich durch die Handlung. Handlungsstränge entstehen, wirken unzusammenhängend, und langsam, aber sich entsteht ein Netz von Verbindungen zwischen all den einzelnen Schicksalen, die der Autor beschreibt.
Mir hat das Buch wahnsinnig gut gefallen, nachdem ich reingefunden hatte. Diese ganzen Zusammenhänge- man merkt, dass in dem Buch jahrelange Arbeit steckt. Ich würde es sofort jedem empfehlen, der ein wirklich gut geschriebenes Buch zu schätzen weiß.