Donnerstag, 23. Juli 2015

Kaninchengeschichte, Teil 2.


Es kam mein erster Umzug in Wien, und es passierte etwas sehr trauriges. Vor dem Umzug war ich noch ein paar Tage im Norden. Meine Kaninchen hatte ich in einer Tierarztpraxis abgegeben, die Tiere im Urlaub aufnahmen. Das hatte ich schon ein paar Mal gemacht, und hatte sie immer zurück bekommen mit dem Kommentar, alles wäre super gelaufen und die wären total pflegeleicht.
Es stellte sich heraus, dass diese Kommentare von jemandem gekommen waren, der mit den Tieren selbst nichts zu tun hatte. Und dass die Kleinen alles andere als pflegeleicht waren. Das stellte sich dieses Mal heraus, als ich sie wiederbekam. Beide waren krank, hatten ihr Fressen verweigert, waren dehydriert. Und diesmal sprach die Ärztin mit mir, die sich um die Tiere gekümmert hat, und sagte, dass das jedes Mal bei den beiden bisher problematisch war.
Während sich Ville schnell erholte, hatte Nosfi eine Wunde, musste notoperiert werden und starb daran.
Ich war ziemlich am Boden zerstört, zu dem Tierarzt bin ich nie wieder gegangen.

Ville war auch unglücklich, das merkte man sehr schnell. Ich sah mir das ein paar Tage an, dann beschloss ich, dass die Trauerphase kürzer ausfallen würde, als ich eigentlich für mich gewünscht hätte, und fuhr zum Wiener Tierschutzhaus, um ein neues Kaninchen zu holen.
Ich schaute in den ersten Käfig und verlor sofort mein Herz. Ich schaute noch in zwei weitere, doch eigentlich wusste ich: Die Kleine, die ich da gesehen hatte, das würde sie werden. Also zum Tierarztcheck, und als er mir sagte, dass die Kleine ein bissi schiefe Zähne hatte und man da aufpassen müsste, war mir auch sofort klar: Die Kleine heißt jetzt Nessi. (Ich kann das irgendwie nicht so gut erklären, vermutlich, weil es auch für niemanden Sinn macht, aber ich dachte bei schiefen Zähnen irgendwie an Drachen und bei Drachen an Monster und dann halt....ähem.)

 Ich brachte sie glücklich nach Hause, stellte die Transportkiste ab, machte die Tür auf und stellte mich darauf ein, lange zu warten, bis ich ein vorsichtiges Näschen sehen würde, aber kaum hatte ich mich umgedreht, hoppelte klein Nessi durchs Zimmer. Und guckte erstmal, wer da im Käfig saß. Ich schaffte es gerade noch, ein Foto zu machen. Ville guckte so fassungslos, wie ich nie gedacht hatte, dass ein Kaninchen gucken kann.
Villes Begeisterung hielt sich, sagen wir mal so, leicht in Grenzen. Um nicht zu sagen, er war stinkeifersüchtig. In der ersten Nacht rüttelte er so lange am Gitter, dass ich ihn irgendwann im Zimmer rumlaufen ließ, in der Hoffnung, noch ein paar wenige Stunden Ruhe zu haben, bis ich aufstehen konnte. Kaum war ich wieder eingeschlafen, hatte ich auf einmal einen Fellball im Gesicht. Der Kleine war so liebesbedürftig, dass er zu mir ins Bett sprang (natürlich ins Gesicht^^) und sich ankuscheln musste.
Für die erste Begegnung in Freiheit brachte ich sie in die Küche, auf neutrales Gebiet. Ville war immer noch extrem unbegeistert und drehte den Spieß um: Jetzt war er das Kaninchen, dass draufhaute.
Doch die Kleine hatte einen entschiedenen Vorteil: Sie war schneller und gerissener. Er schaffte es nicht, sie zu erwischen. Nach einer ganzen Zeit beschloss er dann, aufzugeben. Seitdem konnte ich meine beiden Hoppel zusammen durch die Wohnung laufen lassen, ohne dass ein ständiges Jagen passierte. Sie gingen sich meist aus dem Weg, aber sie taten sich auch nix.
 Wie man sieht, lebte sich die Kleine extrem schnell ein. Ich stellte fest, dass sie einen ganz anderen Charakter hatte als Ville. In erster Linie war sie eins: Neugierig.
 Weder das Sofa noch das Bett waren allzu lange sicher vor ihr, und so saß sie bestimmt eine halbe Stunde und überblickte alles.
 Und dann machte sie etwas, was mir beim ersten Mal einen Heidenschreck eingejagt hat: Sie sprang hoch in die Luft, und schmiss sich auf den Rücken. Und blieb so liegen. Ganz ehrlich, ich dachte beim ersten Mal, ich könnte schon wieder loslaufen, um ein neues Kaninchen zu holen. Und so ganz gewöhnt hab ich mich an diese Eigenheit nie. Immer wenn es im Käfig krachte, weil sie sich wieder im hohen Bogen gegen die Wand geworfen hatte, hab ich einen Schreck gekriegt. Nachher, als die beiden zu meinen Eltern zogen, machte sie das auch mitten im Wohnzimmer. Und erschreckte meine Eltern, auch wenn die eigentlich vorgewarnt waren. Mir war, nachdem ich mich von dem Schrecken erholt hatte, klar, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte: Die Kleine war genauso bekloppt wie wir und passte super ins Rudel.
 Ich musste schnell feststellen, dass das aber auch einen Nachteil hatte:Im Gegensatz zu den anderen beiden fand sie Kabel nämlich sehr interessant. Natürlich nur solche, auf denen noch Strom war. Als sie zu uns zog, hatte ich sicherheitshalber die Kabel unter das Bett verlegt, und dieses zugestellt, nur das Kabel vom Telefon war noch offen. Das starb dann auch als erstes. Also wurde das Telefon umgestellt, der Rest noch besser weggestellt, und dann begann ein Kampf, der mir zwischenzeitlich wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkam: Die Kleine quetschte sich durch die kleinsten Lücken, versuchte, Sachen zu verschieben, leif stundenlang an der Bett-Barrikade auf und ab..... Immer wieder fand sie noch eine Lücke, ich fischte sie unter dem Bett raus und rettete meine Kabel. Einmal sprang ise aufs Bett und stürzte sich kopfüber in die Lücke zwischen Bett und Heizung. Strom muss echt cool kitzeln. Da starb dann mein Handyakku. Mein Vater sagte daraufhin, ich solle doch besser aufpassen. EIne Woche später, als meine Eltern mich besuchten, passierte etwas, was ich ihm noch immer gern unter die Nase reibe: Er schloss sein Handyladekabel ausgerechnet in der einzigen beinahe ebenerdigen Steckdose an, die auch noch in der Ecke war, in der die Kleine am liebsten saß. Ich könnte immernoch schwören, dass die Kleine an dem Kabel nur entfernt vorbei gehoppelt ist, als ich zurück ins Zimmer kam, ungefähr eine halbe Minute, nachdem mein Vater das Kabel angeschlossen hatte. Das war glatt durchgebissen. Ich hab so gelacht.....
 Dieses Bild erklärt, warum sie von mir irgendwann den Spitznamen "Brot" bekam.
Alles in allem kann man aber schon sagen, dass ich zwei sehr gebildete Kaninchen hatte. Während das eine mir bei meinem Unikram half,...
 ...las das andere mit Begeisterung die Tageszeitung ;)
 Wenn Nessi müde wurde, steckte sie oft ihre Nase unter die Decke und kuschelte sich an meinen Fuß.
 Ville spielt gern Verstecken. Allerdings ist die Kleine darin ein bissi besser gewesen. Der Satz "Hat jemand Nessi gesehen?" sorgte für so manchen Lacher^^
 Zelten mag Ville auch :)

Im nächsten Post gehts weiter mit den beiden nach ihrem Umzug in den Norden.